Souliman: „Die beste Entscheidung meines Lebens im Bereich Fußball“

Ahmad Souliman ist ein Multitalent im FC Rosengarten, Seit 2016 ist er als Spieler und seit 2017 als Schiedsrichter für den FCR im Einsatz. Aktuell engagiert er sich als Co-Trainer bei den B-Juniorinnen, ist aktiver Schiedsrichter in der Bezirksliga Herren, Schiedsrichter-Obmann des Vereins und Spieler der dritten Herren des FCRs. Wir sprachen mit ihm über seinen spannenden Werdegang und die besonderen Herausforderung als 23. Mann auf dem Platz.


Ahmad, wie würdest du deine Beziehung zum FC Rosengarten beschreiben?

 Meine Beziehung zum FC Rosengarten finde ich sehr besonders, da ich Ende 2014 als Asylbewerber nach Deutschland kam und im Jahr 2017 abgeschoben werden sollte. Dank dem FC Rosengarten und dem ehemaligen 1. Vorsitzenden Karsten Egler konnte ich jedoch durch eine Anzeige im Wochenblatt einen Ausbildungsplatz als Speditionskaufmann bei der Dallmaco Speditionsgesellschaft mbH in Welle finden. Dadurch wurde es mir ermöglicht, weiterhin in Deutschland zu bleiben. Meine Ausbildung habe ich im Jahr 2020 erfolgreich abgeschlossen und wurde direkt übernommen. 

 Erst im Jahr 2016 habe ich angefangen, überhaupt Fußball zu spielen. Ich hatte das Glück, bei Matthias Heuer in der 3. Kreisklasse anzufangen und mit dem Team den Aufstieg bis zur Kreisliga zu schaffen. 

Ein besonderes Highlight war der Gewinn des Pokals der zweiten Herren im Jahr 2019. Trotz meiner anfangs kaum erkennbaren Fähigkeiten wurde ich im Team gut aufgenommen, was meine Bindung zu dem Team sehr verstärkt hat und mir die Liebe zu diesem Verein bestätigt hat. 

All dies ermöglicht es mir als Asylbewerber, mich besser in diesem Land zu integrieren, die deutsche Sprache besser zu beherrschen und es bietet mir eine wichtige soziale Plattform, auf der ich viele Freundschaften geschlossen habe. 


Seit wann bist du Schiedsrichter? 

Ich bin seit 2016 Schiedsrichter. Zunächst habe ich für den 1. FC Seevetal gepfiffen. Im Jahr 2017 konnte ich nach Absprache mit dem FC Rosengarten den Verein als Schiedsrichter wechseln und seitdem leite ich offiziell Spiele für den FCR im gesamten Kreis und Bezirk. 


Wie ist die Situation bei den Schiedsrichtern beim FCR? Braucht ihr Nachwuchs? 

Die Situation bei den Schiedsrichtern beim FCR hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Seit 2018 kümmern wir uns intensiv um unsere Schiedsrichter und unterstützen sie bei jeglichen Problemen sofort. Nachwuchs ist ein großes Thema bei uns im Verein und in unserem Kreis. 

Seit einigen Jahren gibt es ein Patenprojekt vom DFB, das dafür sorgt, dass neue Schiedsrichter ihre ersten Spiele nicht alleine leiten müssen. Jeder Neuling bekommt einen erfahrenen Schiedsrichter als Paten, der bei den ersten Spielen unterstützt und Tipps gibt. Dieses Projekt hat in den letzten Jahren gezeigt, dass sich mehr junge Leute trauen, den Schiedsrichterlehrgang zu absolvieren und aktiv zu bleiben. 

Dies hat natürlich unserem Verein geholfen, da 9 von 14 unserer Schiedsrichter unter 27 Jahre alt sind. Als gutes  Beispiel haben wir Jakob Tasch, Jonne Schmidthals und Anton Kropp, die alle noch unter 17 Jahre alt sind und sich in den letzten Jahren gut entwickelt haben. Wir haben auch Kollegen wie Joachim Kirstein, der mit 75 Jahren immer noch als Schiedsrichter aktiv ist, präsentiert unseren Verein hervorragend. 

Ein besonderes Vorbild ist natürlich Kim-Jana Trenkner, die in der 2. Bundesliga der Frauen Spiele leiten durfte und vor einigen Jahren Kreisschiedsrichter-Obfrau im Kreis Harburg war. Dies zeigt, wie vielfältig der FCR ist und dass man in jedem Alter bei uns als Schiedsrichter willkommen ist. Für den nächsten Lehrgang im Juli 2024 haben wir bereits zwei neue Kandidaten angemeldet und freuen uns auf weitere interessierte Kollegen.


Warum bist du Schiedsrichter geworden? 

Damals wurde ich angesprochen, ob ich Lust hätte, den Schiedsrichter-Schein zu machen. Ich wusste nicht genau, was auf mich zukommen würde, aber aufgrund meiner kaum erkennbaren Fußballfähigkeiten wollte ich trotzdem ein Teil des Spiels sein. Die Rolle als Schiedsrichter hat mir diese Möglichkeit ermöglicht und mir die Chance gegeben, der 23. Mann auf dem Platz zu sein. 

Dies war die beste Entscheidung meines Lebens im Bereich Fußball, da ich durch diese Tätigkeit das Glück hatte, viele nette Spieler, Trainer und Fans im gesamten Landkreis Harburg kennenzulernen und fast jeden Fußballplatz problemlos zu besuchen. Besonders Spaß macht es mir, in kritischen Situationen innerhalb von Sekunden eine Entscheidung mit meinem Schiedsrichterteam zu treffen, während alle anderen Spieler und Beteiligten auf dem Feld gespannt abwarten, was los war. 


Warum sollte man Schiedsrichter werden? 

Jeder Verein muss Schiedsrichter für den Spielbetrieb stellen. Ohne Schiedsrichter findet kein Spiel statt. Um unseren Verein zu unterstützen und Strafen zu vermeiden, ist es wichtig, dass wir uns als Teil des Vereins auf verschiedenen Wegen engagieren. Als Schiedsrichter erlebt man den Sport aus einer anderen Perspektive. Es geht nicht nur um den Ball und die Tore – viele weitere Aspekte des Spiels werden sichtbar. Man versteht die Regeln und Strategien besser und lernt, wie man faire und schnelle Entscheidungen trifft. Viele Spieler, Fans und Eltern zögern, Schiedsrichter zu werden, oft weil sie glauben, keine Zeit dafür zu haben. Aber hat sich jemand wirklich damit beschäftigt, was diese Rolle tatsächlich erfordert? 

Der Lehrgang zum Schiedsrichter ist mittlerweile gut strukturiert und dauert meistens nur 5 – 6 Tage, wobei viele Termine online stattfinden und 2–3 Stunden pro Termin dauern. Man muss lediglich 10 Spiele pro Saison leiten. Diese können auch Testspiele oder Einsätze als Schiedsrichterassistent sein, was weniger Verantwortung bedeutet. 


Hier einige Vorteile:
– Freier Eintritt: Schiedsrichter erhalten freien Eintritt zu allen DFB-Spielen, einschließlich Bundesliga, 2. Bundesliga und DFB-Pokal.
– Geld verdienen: Für viele Schüler kann diese Rolle eine attraktive Nebenverdienstquelle sein, insbesondere bei höherklassigen Spielen oder Turnieren. Im Amateurbereich liegen die Spesen zwischen 20 und 40 € pro Spiel. 

– Fahrtkostenerstattung: Die Fahrtkosten zu den Spielen werden erstattet. 

– Schiedsrichter-Turniere: Teilnahme an speziellen Turnieren, wie in Niedersachsen, bei denen man auch selbst mit anderen Schiedsrichtern Fußball spielen kann. Zum Beispiel das Jung-Schiedsrichterturnier und das internationale Lüneburger Schiedsrichterturnier, bei dem auch Schiedsrichter aus der EU teilnehmen. 

– Karrieremöglichkeiten: Für ambitionierte Schiedsrichter gibt es die Möglichkeit, in höhere Ligen aufzusteigen und eventuell sogar internationale Einsätze zu bekommen. Dies kann zu spannenden Reisen und Erfahrungen führen.


Es gab in den letzten Monaten immer wieder Zwischenfälle auf Amateurplätzen. Vielleicht haben junge Schiedsrichter etwas Sorge. Kannst du das verstehen? Was kann man dagegen tun? 

Es ist verständlich, dass junge Schiedsrichter angesichts der Zwischenfälle auf Amateurplätzen besorgt sein könnten. Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Schiedsrichtern sind leider ein ernstes Problem. Aber wann war der letzte Zwischenfall in unserem Kreis oder Bezirk? Es ist schon lange her. Wir haben das Glück, dass hier in unserem Kreis und Bezirk die Schiedsrichter und deren Entscheidungen auf den Plätzen mehr respektiert werden als wo anders. Die Jahre haben gezeigt, dass erfahrene Schiedsrichter immer für die jüngeren Kollegen da waren. Wir alle sind eine Familie mit dem Ziel, Spiele fair zu leiten und den Spaß am Sport zu erhalten. Es werden trotzdem regelmäßig Lehrabende angeboten, bei denen sich alle Schiedsrichterkollegen treffen, um verschiedene Themen zu präsentieren und zu besprechen, darunter auch Zwischenfälle und die entsprechenden Maßnahmen dagegen. Darüber hinaus ergreift jeder Verein Maßnahmen, um Zuschauer und Eltern einzubeziehen und sie über die Rolle der Schiedsrichter sowie die Notwendigkeit von Respekt und Unterstützung aufzuklären.

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